Seit seiner Renovierung im Jahr 2001 steht die Bohlenstube, die sich im 1. Stock befindet, für Familienfeiern und sonstige Veranstaltungen mit bis zu etwa 50 Teilnehmern zur Verfügung. Eine Verköstigung erfolgt gegebenenfalls über den hauseigenen Partyservice. Selbstverständlich sorgen wir auch für alkoholische und alkoholfreie Getränke. Wenn gewünscht, arrangieren wir zudem eine passende Dekoration. Beheizt (soweit notwendig) wird die Bohlenstube auch mittels eines Holzofens, der mit seiner Strahlungswärme zur besonderen Atmosphäre dieses Raums beiträgt.
Bitte beachten Sie, dass der Zugang zu unserer Bohlenstube leider nicht barrierefrei ist.
Beschreibung der Bohlenstube
Bei einer Bohlenstube handelt es sich um einen Raum, welcher in massiver Ständerbohlenbauweise errichtet wurde. Nicht nur die Decke und der Boden bestehen aus Bohlenbalken, sondern auch die Wände sind mit dicken Holzbohlen verkleidet. Für diese Gestaltung gab es zwei Gründe: Zum einen war die Bohlenstube (abgesehen von der Küche) der einzige beheizte Wohnraum und die Holzverkleidung diente der Wärmeisolierung. In der Regel erfolgte die Befeuerung von außen, während zu dieser Zeit, also der Renaissance, noch über offenem Feuer gekocht wurde, worüber sich ein trichterförmiger Rauchfang befand, der oben in den Schornstein mündete. Zum anderen diente diese kostspielige Bauart selbstverständlich auch als Statussymbol, mit dem man seinen Wohlstand demonstrierte.
Typischerweise wurden Bohlenstuben sozusagen als eigenständiger Kasten in einen bestehenden Raum eingebaut. Die Wände der Stube hatten also keine statische Bedeutung für das eigentliche Gebäude. Bei der Bohlenstube in Hendungen sind dagegen die Ständer des von außen sichtbaren Fachwerks mit einem Querschnitt von 33×34 cm so massiv ausgefertigt, dass diese mit Nuten versehen werden konnten, in welche die ca. 6 cm dicken Bohlen der Stubenwände so eingepasst wurden, dass die Bohlenstube einen festen Verbund mit der Fachwerkskonstruktion des Hauses hat. Die Bohlen des Fußbodens der Bohlenstube bilden zudem gleichzeitig die sichtbare Decke des darunter liegenden Metzgerei-Verkaufsraumes, welche dort aber heute beige mit grünen und roten Begleitlinien gestrichen ist.
Um nicht zu viel Raumvolumen aufheizen zu müssen, waren diese Stuben – jedenfalls aus heutiger Sicht – in der Regel recht klein und zusätzlich wurde die Decken oft abgehängt. Die Bohlenstube in Hendungen nimmt dagegen die gesamte Stirnseite des 1. Obergeschosses ein und hat eine Grundfläche von ca. 10 m Länge und 6 m Breite bei einer maximalen Raumhöhe von 2,80 m. Dabei ruhen drei abgefaste Unterzüge in Firstrichtung im Giebel auf mächtigen Pfosten, während die Bohlen der Decke quer dazu liegen. Mit diesen Ausmaßen ist diese Bohlenstube mindestens die größte noch erhaltene in Südthüringen und Nordbayern. Laut Dr. Annette Faber, bis 2019 Hauptkonservatorin am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, könnte die Bohlenstube eine der größten überhaupt ihrer Art sein, zumindest ist in der Literatur eine Stube dieser Größe bislang nicht erwähnt worden.
Entstehung der Bohlenstube
Während das Fachwerk und die Dachkonstruktion des Hauses aus Eiche gefertigt sind, handelt es sich bei den Bohlen der Decke und Wände um Tannenholz. Sie weisen auffällig schmale Jahresringe auf, sind also langsam gewachsen, was das Holz härter und hochwertiger macht. Aufgrund der natürlichen Verbreitung der Holzarten um Hendungen ist es naheliegend, dass die Bohlen importiert wurden. Die nächstgelegenen Wälder mit Tannenbeständen befanden sich damals einerseits im Werragebiet nordöstlich von Schmalkalden und andererseits im Frankenwald östlich von Kronach. Der Vergleich mit vorhandenen dentrochronologischen Daten ergab, dass das beste Ergebnis mit der Werra-Chronologie erzielt wird. Die plausibelste Vermutung ist somit, dass die Bohlen aus dem Werragebiet importiert wurden. Diese Interpretation wird zudem durch den Umstand gestützt, dass Hendungen im 16. Jahrhundert im Besitz der Grafen von Henneberg war. Da im Bereich zwischen dem Werragebiet und Hendungen kein Fluss oder Bach existiert, der für das damals übliche Flößen genutzt werden konnte, muss dieses Holz die etwa 50 km Luftlinie auf Rädern nach Hendungen transportiert worden sein.
Dentrochronologisch datiert wurde eine der Bohlen auf das Jahr 1502. Die dabei gegenüber dem Eichenholz (datiert auf den Winter 1566/67) bestehende Abweichung von gut 60 Jahren lässt sich zum einen damit erklären, dass diese Bohle keine Waldkante besitzt, also die äußersten Jahresringe fehlen, andererseits mussten die Bohlen auch vor dem Einbau getrocknet werden, da sich nur so eine Rissbildung vermeiden ließ.
Historische Nutzung
Aufgrund der kostspieligen Bauweise des Gebäudes und insbesondere der Bohlenstube drängt sich geradezu die Vermutung auf, dass neben einer Nutzung als Gasthaus auch eine repräsentative Nutzung vorlag. Hierfür spricht insbesondere, dass die Gaststätte sich offenbar von Anfang an im Besitz der Gemeinde befand und diese seit 1498 einen Amtssitz besaß. Als Argument wird zuweilen auch genannt, dass das Weistum, welches 1567 von Georg Ernst zu Henneberg bestätigt wurde, die Vorschrift enthält, dass beim Petersgericht (14 Tage vor oder nach Petri Cathedra, also dem 22. Februar) Anwesenheitspflicht für jeden Haushaltsvorstand bestand, wofür ein entsprechend großer Saal notwendig war. Allerdings hatte Hendungen den Amtssitz bereits im Jahr 1498 erhalten, muss also bis zum Bau dieses Gebäudes bereits einen Zeitraum von 69 Jahren überbrückt haben.
Gelegentlich wird auch die Vermutung geäußert, dass eine Nutzung als Zehnthaus vorlag. Hiergegen spricht allerdings bereits, dass für die Sammlung des Zehnts die jeweiligen Empfänger und nicht die Gemeinde zuständig waren, das Wirtshaus aber offenbar von der Gemeinde errichtet wurde. Zudem ist die bauliche Gestaltung des Gebäudes für das Zusammentragen von größeren Naturalienmengen denkbar ungeeignet.
Vor allem existiert aber kein einziger Beleg dafür, dass das Gebäude tatsächlich als Amtssitz oder Zehnthaus genutzt wurde. Stattdessen wird es schon in den ältesten erhaltenen Quellen als Wirtshaus bezeichnet: sowohl im Bericht über die Verwüstung der ehemaligen Kapelle nach 1557 als auch in Rechnungen aus den Jahren 1626 und 1630.
Ähnlich rätselhaft ist die Abbildung, welche bei der Renovierung auf einer der Wände der Bohlenstube zum Vorschein kam: ein gekrönter Adler, welcher in den Fängen Zepter und Reichsapfel hält. Denn bei diesem Adler handelt es sich um das Hoheitszeichen des Königreichs Preußen, das von 1701 bis 1918 genutzt wurde. Allerdings gehörte Hendungen nie zum Königreich Preußen. Es gibt zwar die Vermutung, dass dieser Adler lediglich in Anspielung auf den Namen des Gasthauses, also auf „Schwan und Adler“, angebracht wurde, dies hätte aber zu einer Zeit geschehen müssen, zu der es sich noch um ein (geschütztes) Hoheitszeichen handelte, noch dazu von einer fremden Regierung. Stattdessen hätte man ohne jedes Risiko auch irgend einen „normalen“ Adler abbilden können – und dann natürlich auch den ebenfalls namensgebenden Schwan.
Wahrscheinlicher wäre deshalb, dass diese Kennzeichnung z.B. im Jahr 1813 entstanden ist, als während der Befreiungskriege zunächst die französische Armee und anschließend zigtausende Mann der alliierten russischen und preußischen Truppen von Meiningen kommend Richtung Würzburg durch das Amt Mellrichstadt zogen und immer wieder in Mellrichstadt und den umliegenden Ortschaften vorübergehend einquartiert wurden.
Bereits im „Siebenjährigen Krieg“ (1756 bis 1763) trafen am 31. März 1759 zwischen Mellrichstadt und Stockheim Cuirassiere vom kaiserlichen Regiment Hohenzollern und ein Batallion des Infanterieregiments Blau-Würzburg auf zwei Schwadrone preußischer „Schwarze Husaren“, aus welchem letztere siegreich hervorgingen. Zwei Monate später brandschatzten die „Schwarzen Husaren“ Mellrichstadt. Dieser Zeitraum würde auch zur Erfahrung passen, dass die Wände der meisten Bohlenstuben bereits in der Barockzeit (1600 bis 1750) verputzt wurden.
Bereits in einer Mitteilung im „Würzburger Stadt- und Landbote“ vom 23. September 1862 wird der Raum als „Tanzstube“ bezeichnet. Als solche wurde er auch noch bis ins Jahr 1976 genutzt. Ab dieser Zeit verlagerten sich entsprechende Veranstaltungen in die 1975 eingeweihte Mehrzweckhalle der Gemeinde. Die Gäste der „Tanzstube“ bemerkten allerdings nicht, dass sie sich in einer Bohlenstube befanden, da zu dieser Zeit sowohl die Wände als auch die Decke verputzt und übermalt waren.
Nach der Gründung des Schützenvereins Hendungen am 8. Dezember 1913 in der damaligen Gaststätte „Schwan und Adler“ wurde die Bohlenstube auch als deren Schießstand genutzt. Zwar ist der Raum mit etwa 10 m für eine Bohlenstube ungewöhnlich lang, da die Entfernung zwischen Schützen und Ziel aber schon damals ebenfalls 10 m betragen musste, reichte dies dennoch nicht aus. Man behalf sich, indem man die Zielscheiben auf dem Boden einer Holzkiste montierte und diese Kiste anschließend ins geöffnete Fenster (Richtung damaliger Schule und heutigem Gemeindehaus) hängte. Schon kurz nach der Gründung ruhte allerdings die Vereinstätigkeit mit Beginn des Ersten Weltkrieges.



